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Wachteln vergesellschaften

2 Wachtelgruppen vergesellschaften – So geht’s!

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Neben dem süßen und putzigen Erscheinungsbild der Wachteln haben diese auch noch eine andere Seite. Wachteln können sich aggressiv bekämpfen: Blutende Wunden, das unablässige Hacken einiger Stallgenossen und Verletzung der Augen gehören auch zu den Tieren.

Auslöser solcher Streitigkeiten sind häufig Änderungen der Hackordnung, wenn neue Tiere in die Herde kommen. Gerade wenn man zwei Wachtelgruppen vergesellschaften möchte, ist Fingerspitzengefühl gefragt um aus den Wachteln unterschiedlicher Gruppen eine harmonische Herde zu machen.

Im Folgenden geben wir Tipps aus vielen Jahren Wachtelhaltung und wollen dies auch an einer beispielhaften Vergesellschaftung in unseren Ställen verdeutlichen.

Beispiel einer gelungenen Vergesellschaftung

Hier möchten wir eine gelungene Vergesellschaftung zweier Wachtelgruppen dokumentieren und dabei erläutern, wie der genaue Ablauf ist.

Ziel: Wir möchten Gruppe 1 (7 weiße Wachteln) mit Gruppe 2 (12 bunte Wachteln) vergesellschaften.

Situation: Bisher wurden die beiden Wachtelgruppen in Boxenställen (ca. 2 m ²) gehalten und sollen zukünftig in einem Großraumstall mit 8 m² Fläche zusammen ihren Platz finden.

Methode:  Die Zusammenführung der Wachtelgruppen soll in einem neuen Stall erfolgen.

Auf dem folgenden Bild sind die beiden Gruppen zu sehen, die zusammengebracht werden sollen. Gruppe 1 besteht ausschließlich aus weißen Wachteln. In Gruppe 2 sind wildfarbene Wachteln, Dunkelschecken und graue Wachteln enthalten.

Beide Wachtelgruppen vor der Vergesellschaftung

Im ersten Schritt wird der neue Stall vorbereitet. Dabei wird darauf geachtet, dass es im Wachtelstall mehrere Ruhebereiche gibt, welche schlecht einsehbar sind. Diese dienen bei Streitigkeiten als Rückzugsort und bieten den Wachteln die Möglichkeit anderen Tieren aus dem Weg zu gehen.

Neuen Stall für die Wachteln vorbereiten

Im folgenden Bild sind zwei Ruhebereiche zu sehen, wovon einer aus dem Sandbad besteht. Insgesamt hat der Stall 4 solche Bereiche und zahlreiche Verstecke.

Unser Tipp

Für die ersten Tage empfehlen wir im Stall zwei Tränken und Futterstellen einzurichten. Teilweise ?bewachen? ranghohe Wachteln den Futterbereich und lassen rangniedere Wachteln nicht an die Tränke.

Ist der Stall vorbereitet, so werden die Wachteln der beiden Gruppen zusammen möglichst durcheinander in den Wachtelstall gesetzt.

Erster Schritt der Vergesellschaftung

Die Wachteln sind im ersten Schritt natürlich orientierungslos und ängstlich, was man deutlich an den gesenkten Köpfen erstellen kann. Sie erkunden vorsichtig den neuen Stall und ?ignorieren? die anderen Wachteln anfangs vollständig.

Nach der Erkundungsphase des Stalls, die je nach Wachtelstall ½ bis 2 Stunden dauert, werden die anderen Mitbewohner in Augenschein genommen. Nun sind bereits die ersten kleinen Auseinandersetzungen zu beobachten.

Beide Wachtelgruppen zusammen im Wachtelstall

Diese werden in den ersten beiden Tagen etwas zunehmen – bis die neue Hackordnung festgelegt ist – und danach fast vollständig verschwunden sein. Schon sehr bald ist aus den beiden einzelnen Gruppen eine große durchmischte Gruppe geworden. Speziell am gemeinsamen Sandbad lässt sich die erfolgreiche Vergesellschaftung beobachten.

Gemeinsames Sandbad der Wachteln

Hinweis

In aller Regel verläuft die Vergesellschaftung so friedlich. Sind nach 2 Tagen noch intensive Streitereien zu sehen oder kommt es zu verletzten Wachteln, so sollten die Gruppen wieder getrennt oder die besonders streitlustigen Wachteln separiert werden.

Strategien und Tipps für eine reibungslose Vergesellschaftung

Wachteln in einem anderen Stall vergesellschaften

Die Methode mit den besten Aussichten ist das Zusammenführen der Wachtelgruppen in einem neuen Stall. Der Stall wird hierzu mit vielen Verstecken ausgestattet und die Wachteln am morgen in den neuen Stall gesetzt.

Durch den neuen Stall hat keine Wachtel den Anspruch ihr Revier gegenüber den ?Eindringlingen? zu verteidigen. Es kommt zwar nach einigen Stunden zu den üblichen Streitigkeiten um die neue Hackordnung festzulegen, doch dann verläuft die Zusammenführung meist sehr friedlich.

Nachdem sich die Wachteln nach einigen Tagen aneinander gewöhnt haben können diese auch wieder zusammen in einen alten Stall zurückgesetzt werden.

Stall stark umstrukturieren und Einstreu tauschen

Leider hat man nicht immer einen weiteren leeren Stall zur Verfügung, in dem man die Vergesellschaftung durchführen kenn. Daher kann es auch funktionieren, wenn man den alten Stall stark verändert sodass die Wachteln den Stall als ungewohnt und neu wahrnehmen.

Dazu werden alle Wachteln aus dem Stall genommen und folgendes durchgeführt.

Diese Maßnahmen können helfen:

  • Einstreu tauschen: Die alte Einstreu wird entfernt und gehen neue, andere ausgetauscht. Verwendet man bisher beispielsweise Kleintierstreu, so kann man nun Pinienrinde verwenden.
  • Gewohnten Stallduft entfernen: Hierzu füllt man Wasser und einige Spritzer Essig in eine Zerstäuberflasche und sprüht damit den Stall vollständig aus. Der Essig überdeckt den gewohnten Stallgeruch für eine gewisse Zeit. Ein kleiner Spritzer auf den Rücken der Wachteln schadet den Tieren nicht.
  • Stall umstrukturieren: Hierzu verändert man die Einrichtung vollständig. Tränken und Legenester werden ausgetauscht und kommen an einen anderen Platz. Hindernisse wie Zweige, Äste und Obstkisten werden als Verstecke im Stall verteilt.

Unser Tipp

Hier setzt man die Wachteln einige Stunden vor Einbruch der Dämmerung in den Stall. Sodass die Wachteln den Stall noch erkunden können, jedoch noch keine Streitereien entstehen.

Jungwachteln im Alter von 4 Wochen zu den Alttieren

Jungwachteln mit einem Alter von 4 Wochen bekommen bei den Wachteln noch einen ?Kinderstatus? und werden noch als ?Küken? angesehen. Sie können so langsam in die Gruppe hineinwachsen.

Größere Gruppe Wachteln in den Stall mit weniger Tieren

Möchte man zwei sehr ungleiche Gruppen vergesellschaften, beispielsweise eine Gruppe mit 5 und eine Gruppe mit 20 Wachteln, so gelingt dies meist sehr gut. Wichtig ist hierbei nur, dass man die große Gruppe in den Stall der kleineren Gruppe setzt.

Unser Tipp

Hierbei hat sich der Zeitpunkt direkt vor der Dämmerung als vorteilhaft herausgestellt.

Warum kommt es zum Streit?

Betrachtet man die Art und Ursache des Streites in einer Wachtelgruppe, so kann man schnell zweit unterschiedliche Arten ausmachen.

Typische Arten von Streit in der Wachtelgruppe:

  1. Herstellen und festigen der Hackordnung
  2. Erbitterteres Verjagen einzelner oder weniger Wachteln

Art 1: Hackordnung herstellen und verteidigen

Wie bei vielen anderen Tieren eine Rangordnung innerhalb der Gruppe besteht, so gibt es auch innerhalb einer Wachtelgruppe eine Hackordnung. Diese sorgt dafür, das unter den Wachteln klar geregelt ist, welches Tier zuerst an die Futterstelle darf, welche Wachtel den besten Platz im Sandbad bekommt und welcher Wachtel der beste Schlafplatz gehört.

Hinweis

Das Bilden der Hackordnung innerhalb der Wachtelgruppe ist wichtig und schafft Ruhe und Harmonie. Wenn einmal geklärt ist wer der Stärkere ist, dann sind die vielen kleinen Streitereien nicht mehr notwendig.

Gerade wenn neue Wachteln in die Gruppe kommen oder auch wenn Wachteln aus einer Gruppe genommen werden, dann wird die bisherige Hackordnung gestört. Schon nach wenigen Stunden, in denen die Wachteln die Hackordnung neu regeln, kehrt wieder Ruhe im Wachtelstall ein.

Art 2: Erbitterteres Verjagen einiger Wachteln

Möchte man einzelne neue Wachteln in eine bestehende Gruppe integrieren, so werden diese in der Regel als ?Eindringlinge? angesehen und von einer oder mehreren Wachteln der bestehenden Gruppe heftig bekämpft. Die neuen Wachteln werden durch den ganzen Wachtelstall verfolgt und teilweise so schwer verletzt, dass diese blutige Wunden davontragen.

Gelegentlich kommt es in Gruppen, die schon längere Zeit zusammenleben, zu heftigen Auseinandersetzungen. Noch vor wenigen Tagen eine harmonische Gruppe werden nun einige Wachteln bis auf das Blut bekämpft.

Mehr dazu hier.